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Montag, 8. Juni 2009

School of .NET - Stakeholderverträgliches Lernen

Stefan Lieser hat ihn nun entworfen: einen Rahmen für neues Präsenzlernen. In 3 Blogeinträgen haben wir laut (oder besser: sichtbar und öffentlich) darüber nachgedacht, wie Lernen in Zeiten von Web 2.0 und einer wieder mal geplatzten Wunschblase aussehen könnte. Das übliche Kochrezept - nimm ein Thema, biete 2, 3, 4, 5 Tage Kurs an, fertig - schien uns nicht mehr so unzweifelhaft zeitgemäß. Es setzt einfach den Willen voraus, bei knapper Personaldecke wie heute üblich auf Entwickler über längere Zeit zu verzichten. Die Kompaktheit des Lernen mag zwar auch ihre Vorteile haben - doch die wahrzunehmen fühlen sich nicht alle, die es wollen, in der Lage. Also liegt der Gedanke nahe, Lernen mehr an die Bedürfnisse der Lernenden anzupassen.

Aufbauend auf dem Rahmen von Stefan konkretisiere ich deshalb mal eine School of .NET:

  • Semesterlänge: 3 Monate
  • 1 Tag Unterricht pro Woche
  • Semesterbeginn mit einer Blockveranstaltung von 2 Tagen zur Gruppenbildung - genannt Semester.Ctor ;-)
  • Semesterende mit einer Blockveranstaltung als intensiver Abschluss mit Retrospektive - genannt ~Semester oder Semester.Finalizer ;-)

Das sind dann zusammen 14 Unterrichtstage mit 11 Wochen zwischen den 12 Terminen. Zu den Präsenztagen kommen also noch ausgedehnte Gelegenheiten für Hausaufgaben. Die finde ich so wichtig wie Stefan, denn damit kann sich das Wissen setzen, das man in den Präsenztagen erwirbt. Im normalen Blockunterricht wird zuviel gestopft - und die Fragen kommen erst hinterher, wenn alle wieder auseinandergelaufen sind.

Wird der Unterricht aber über 3 Monate verteilt, kann das neue Wissen schrittweise schon in die Praxis überführt werden und wirft Fragen auf, die gleich am nächsten Unterrichtstag gestellt und diskutiert werden können. Die School of .NET ist damit viel praxisnäher als jedes übliche Training. Sie bietet sogar quasi während des Semesters Zugriff auf Consultants (die "Lehrer"), denn die "Schüler" können ja jederzeit Problemstellungen aus ihren Betrieben mitbringen.

Die Hausaufgaben involvieren die Teilnehmer auch viel mehr als jede Übung, die innerhalb des Unterrichts gemacht wird. Dann sind die nämlich auf sich allein gestellt. Insofern ist jedes berufsbegleitende Lernen letztlich tiefergehend als ein Blockunterricht.

Aber nicht nur für die Teilnehmer hat die School of .NET Vorteile. Auch Kunde und vor allem Chef können nur davon profitieren. Als Stakeholder wollen sie ja eigentlich beides: einen kompetenten Entwickler, der schon alles kann, und einen, der morgen auch noch mehr kann, also ständig lernt. Berufsbegleitend ist das möglich. 1 Tag in der Woche lernen die Entwickler und 4 bringen sie ihre Kompetenz im Projekt ein. Sie werden schlauer ohne störend lange abwesend zu sein. Zudem können sie - wie oben schon erwähnt - in den Unterricht Probleme aus dem Projekt einbringen. Auch der Unterricht bringt ihnen also etwas für das Projekt und sie lernen von anderen etwas über deren tägliche Probleme.

Lernt der Entwickler was, freut sich der Stakeholder ;-)

Ja, ich denke, ein solches Lernangebot werden Stefan und ich mal schneidern: School of .NET oder kurz SoN. Und dann bieten wir das in Hamburg und Köln mit regionalem Einzugsgebiet an. Da kann dann keiner, der lernwillig ist, mehr Nein sagen ;-) Der Unterrichtsort ist erreichbar und der Unterricht nimmt nicht zuviel Raum im Tagesgeschäft ein.

Solche Lerngelegenheit ist dann besonders interessant für alle, die um- oder aufsteigen. Dann geht es nämlich nicht darum, dass gleich morgen irgendwas gekonnt werden muss. Entwickler, die auf .NET umsteigen oder eine Brownfield-Anwendung uptodate bringen sollen, haben meist einen weiteren Zeithorizont. Da ist es klar, dass sie erstmal Erfahrung mit der Plattform sammeln müssen. Dito Neueinsteiger, die aus ihrer Erstausbildung kommen und noch nicht fit mit dem .NET Framework sind. Als Junior Programmer haben sie 1 oder 2 Jahre, um sich einzufuchsen. Da ist berufsbegleitendes Lernen ideal. Und auch wer heute fitte .NET Programmierer, aber am Markt nicht findet, der bekommt mit einer School of .NET eine Hilfestellung. Er kann sich eher auf einen "smart and getting things done" Entwickler einlassen, der noch kein .NET-Spezialist ist.

Ja, ich finde, das ist ein rundes Bild für eine School of .NET. Das machen wir, Stefan. Auch wenn das Format zu jedem Thema passt, fangen wir am besten mit .NET-Grundlagen und CCD an. Tüfeln wir mal ein Curriculum aus...

Kommentare:

Eberhard hat gesagt…

14 Unterrichttage -> Was soll das alles kosten? Machen nach Adam Riese fast das Dreifache aus.
Z.B 1500€ für 5 Tage -> 4500€ für 14 Tage Unterricht. Hinzu kommen noch Fahrtkosten zu den 11 Unterrichttagen.
Als Freischaffender sehr viel Geld und fast unbezahlbar.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Eberhard: Wir haben noch nicht überlegt, was eine School of .NET kosten müsste.

Aber selbst wenn wir mal annehmen, dass es 1500 EUR à 5 Tage wären, wieso wäre das unbezahlbar? Ein dot.net Code Camp bei der entwickler akademie kostet 3500 EUR (!) für 5 Tage. Andere Trainings von 3-5 Tagen liegen ungefähr im selben Rahmen.

14 Tage Training für 4500 EUR wären also ein Schnäppchen im vergleich zu normalen Trainings. Dazu kommt, dass eine berufsbegleitende Ausbildung tiefer geht, weil eben zwischen den Tagen Pausen sind.

Beim normalen Training ist in der Trainingszeit alles in Butter. Die Euphorie ist da. Cooles Zeug, was man da lernt.

Aber dann die Ernüchterung! Am Arbeitsplatz schlägt die Realität des Projektgeschäft unbarmherzig zu. Die Dinge funktionieren nicht so, wie man es dachte und meinte, gelernt zu haben. Die Übersetzung des Gelernten auf die eigene Projektsituation fällt schwer. Die Kollegen sind skeptisch und fordern Ergebnisse. Man kann sich nicht soviel mit dem Neuen beschäftigen, wie man möchte. Das Wissen erodiert schnell. Das Training war umsonst.

Das ist wie mit Wunderheilungen auf Marktplätzen. Solange die Menge zusammensteht, funktioniert die Wunderheilung. Am Abend aber, wenn alle auseinandergegangen sind, dann ist der Blinde wieder blind, der Lahme wieder lahm.

Normalen Trainings fehlt die Nachbetreuung - trotz des hohen Preises. Das kann auch nicht anders sein - allerdings ist damit der ganze Zweck eines normalen Trainings in Zweifel gestellt. Sie können nicht verlässlich einführen und vertiefen. Sie können meist nur Impulse geben und Überblick verschaffen. Bei der echten Einarbeitung ist der Teilnehmer am Arbeitsplatz wieder allein.

Bei einer berufsbegleitenden Ausbildung jedoch, ist die Begleitung in der schwierigen Phase, der Anwendung des Gelernten in der Realität, aber im Preis enthalten! Das halten wir für den entscheidenden Unterschied.

Warum ist der bisher außer bei der Fachinformatikerausbildung, die ja als Lehre begleitend ist, nicht ausgenutzt worden? Keine Ahnung. Ich glaube, es liegt an einem falschen Bild von Lernen. Man glaubt immer noch an den Nürnberger Trichter. Und es liegt daran, dass Kompaktkurse einfacher zu füllen sind, weil eben das Einzugsgebiet größer ist.

Naja, wenn das so ist, dann hat das aber nichts mit Lerneffektivität zu tun. Es ist nur ein Belang, der den Veranstalter interessiert. Warum sollen die Lernenden darunter aber leiden?

Das wollen wir nun mal versuchen, anders zu machen. Mit der School of .NET kommen wir den Lernenden und ihren Bedürfnissen entgegen. Dass das Geld kosten muss, ist klar. Dass es unbezahlbar ist, wenn man lernen will oder muss, glauben wir nicht.

-Ralf