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Donnerstag, 30. Oktober 2008

Qualität hat keinen Preis mehr - so scheint es

Zwei symptomatische Geschichte:

Es ruft ein Kompetenzträger bei einem Konferenzveranstalter an und fragt, ob der für die nächste Konferenz an Vorträgen zu einem Thema interessiert wäre. Der Veranstalter freut sich nach Rücksprache mit dem Content Management mitteilen zu können, dass die angetragenen Vorträge gut ins Programm passen würden. Eine Kleinigkeit sie vorher allerdings noch zu klären: der Umfang des Sponsorenpaketes, das der Kompetenzträger buchen möchte.

Ein andermal ruft die Redaktion eines unserer Fachmagazine zur Einreichung von Artikelvorschlägen auf. Auf Nachfrage, wie hoch denn das zu erwartende Autorenhonorar sei, antwortet man, dass ab der dritten Heftseite eines Artikels 40 EUR/Seite gezahlt würden. Für die Seiten 1 bis 3 sei den Autoren jedoch ein sehr warmer, in nicht näher spezifizierten Naturalien ausgedrückter Dank des Verlages gewiss.

Zwei Geschichten, eine Reaktion: Traditionelle Inhaltsplattformen wollen kein Geld mehr für ihre Inhalte ausgeben. Sie wollen das, was ihren Wert ausmacht, weder produzieren noch die Produktion bezahlen.

Sind im Web oft für die Konsumenten kostenlos, so kehrt sich dies scheinbar gerade bei den für die Branche relevanten traditionellen Medien Zeitschrift und Konferenz um. Da bezahlen die Konsumenten und die ureigentlichen Produzenten gehen leer aus oder sollen gar noch Geld mitbringen.

Eine merkwürdige Welt ist das.

Mit dem, was ich einmal auf der Schule gelernt habe, hat das nicht viel zu tun. Da galt nämlich, dass Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Ist das Angebot groß und die Nachfrage klein, dann ist der Preis für das Angebot niedrig. Kommt dann die Nachfrage dem Angebot näher, zieht der Preis an. Maximal wird der dann bei einem Monopol.

Daran hat auch das Web nichts geändert, würde ich mal sagen. Wenn die Artikel bei Codeproject für Leser kostenlos sind, dann liegt das daran, dass das Angebot an Content im Web so riesig ist. Die Nachfrage pro Contentanbieter ist deshalb klein und der Preis niedrig bis nicht existent. Wenn Codeproject dennoch überleben kann, dann liegt es an Werbeeinnahmen und good will der Contentproduzenten. Die verschenken ihr Wissen für... ja, für was eigentlich? Für das gute Gefühl, der Community etwas zurückgegeben zu haben:

"Everything on the site may be freely used. All we ask in return is that you contribute something back to the community." (CodeProject FAQ)

Ob das genug Lohn der Mühe ist, muss jeder für sich entscheiden. Dass die Qualität solcher Gratisinhalte oft zu wünschen übrig lässt, ist hingegen wenig zweifelhaft.

Aber einerlei. In den zwei obigen Geschichten geht es nicht um Codeproject. Es geht auch nicht ums Web. Es geht vielmehr um traditionelle Medien, die mittlerweile schon traditionell nicht aus dem Klagen herauskommen, die Nachfrage bei ihnen sei so schmerzvoll gering.

Was tun sie aber in der Lage: sie senken weder den Preis, noch erhöhen sie die Qualität. Sie drehen vielmehr an der Kostenschraube. Sie geben den Druck, der auf ihnen lastet, an die weiter, die eigentlich erst ihre Existenz berechtigen. Denn ohne Inhalte kein Medium zu ihrer Verbreitung.

Es gibt natürlich kein Recht auf Honorar für Kompetenzträger. Und so finde ich es ganz legitim, wenn Medien wie das MSDN Magazine kein Honorar zahlen. Auch sie leben nach den Gesetzen des Marktes: Das Angebot ist beschränkt, die Nachfrage ist hoch, also ist auch der Preis hoch. In diesem Fall meine ich allerdings das Angebot an Platz für den Inhalt und die Nachfrage von Autorenseite. Pro Ausgabe erscheinen nur ca. 15 Artikel von denen einige schon fest an Kolumnenautoren vergeben sind. Für die verbleibenden gibt es eine lange Schlange an willigen Autoren - also erlaubt sich das MSDN Magazine, kein Honorar zu zahlen. Dort zu veröffentlichen hat für die Autoren soviel Wert (Ruhm oder Sichtbarkeit + Aufträge), dass sie diese Politik akzeptieren.

Wieder zurück zu lokalem Konferenzveranstalter und Zeitschriftenverlag. Die haben nun dieselbe Politik wie das MSDN Magazine installiert - aber bieten bei weitem nicht denselben Nutzen für die Inhaltsproduzenten. Die Konferenzen des Veranstalters sind klein, die Auflage der Zeitschrift auch. Das beklagen beide.

Es erscheint mir daher widersinnig, eine solche Politik im Umgang mit den Wertproduzenten zu installieren. Was verspricht man sich davon? Beide handeln gegen das simpelste Gesetz des Marktes: Keine Nachfrage bei dem Abnehmern, aber der Preis bleibt konstant und der Wert wird nicht erhöht. Keine Nachfrage bei den Inhaltslieferanten, aber der Preis für die Lieferung wird erhöht, indem das Honorar gesenkt wird.

Denn so sieht es leider aus: die Inhalte der Konferenzen und der Zeitschrift sind nicht herausragend. Kompetenzträger, die fachlich gut und stilistisch angenehm vortragen oder schreiben, sind einfach Mangelware. Wer dann nichts dafür, sondern alles dagegen tut, die eigene Inhaltsplattform attraktiv für solche ohnehin raren Inhaltslieferanten zu machen, der darf sich nicht wundern, wenn die Qualität sinkt. Einige sehr gute und auch beliebte Inhaltslieferanten sind denn auch schon nicht mehr zu sehen oder zu lesen; sie haben besseres zu tun, als auch noch Geld für die Wissensweitergabe auszugeben.

Was ist unzweifelhaft der Effekt, wenn Kompetenzpräsentationen nicht nur nichts einbringen, sondern sogar kosten sollen? Sie geraten zu Verkaufsveranstaltungen. Es präsentieren die sich, die es nötig haben, weil sie nicht nur die Investition der Präsentation wieder hereinbekommen müssen, sondern auch noch darüber hinaus mit ihr Profit durch nachfolgende Aufträge generieren müssen.

Oder es sind die zu sehen, die sich zeigen müssen, weil ein System es so will ("publish or perish") bzw. der Chef.

Alles in allem ist - wie überall, wo Werbung ins Spiel kommt - aber nicht damit zu rechnen, dass durch solche Politik die Qualität im Allgemeinen und Ehrlichkeit/Authentizität im Besonderen steigen. Nach beidem fragen aber Teilnehmer wie Leser. Im Dschungel heutiger Technologien brauchen sie nichts dringender als vertrauenswürdige Quellen. Präsentatoren in Wort oder Schrift, die für die Präsentationsmöglichkeit zahlen mussten, sind das allerdings eher nicht.

Ergo: Die Nachfrage nach diesen Inhaltsplattformen kann nur abnehmen. Die schon jetzt beklagte negative Tendenz verschärft sich. Die, die gut aufbereitete Informationen dringender denn je nötig haben, wandern weiter ab ins Web, um dort viel Mühe für die Filterung von Inhalten aufzuwenden.

Schade. Denn die Plattformen haben einen Namen. Nun verspielen sie ihn.

Früher war platte Werbung. Da konnten wir Inhalt und Beschönigung auseinander halten. Dann kam das Advertorial. Sofern gekennzeichnet, konnten wir immer noch Inhalt und Beschönigung trennen, doch es war schwieriger geworden. Nun kommt ungekennzeichneter bezahlter Content. Den können wir nicht mehr von Content unterscheiden, der nicht primär verkaufsinteressengeleitet ist. Statt für unser Geld vertrauenswürdieg Informationen zu bekommen, sehen und lesen wir im Zweifelsfall vor allem eines: Werbung.

Eine verhängnisvolle Entwicklung, die letztlich allen Inhaltsanbietern Schaden zufügt. Wer sich da beklagt, dass es mit der Nachfrage nicht stimmt und auf das Web zeigt, der hat leider weder die Befindlichkeit der Branche noch die Gesetze des Marktes begriffen.

image Dabei wäre es doch so einfach, die Nachfrageentwicklung umzukehren. Die Zauberworte lauten - wie immer - Innovation und Investition. Wer das nicht glaubt oder sich inspirieren lassen möchte, der lese "Alles, außer gewöhnlich". Dessen Autoren haben sicherlich auch ein Honorar für ihre Arbeit bekommen.

PS: Es geht mir übrigens bei dieser Betrachtung nicht darum, ob mir oder jemand anderem die Geschichten widerfahren sind. Ich stelle nur eine bedenkliche Tendenz fest. Nicht nur für jeden, der daran denkt, doch mal sein Wissen weiterzugeben, sondern für alle, die vertrauenswürdiges Wissen suchen.

Kommentare:

GENiALi hat gesagt…

Aber eines würde mich dann schon noch interessieren. 40Euro pro Seite finde ich doch arg wenig. Was ist bei einem etablierten Verlag zu erwarten? DotNetPro oder DotNet Magazin?

80, 120, 150 Euro pro Seite?

Ich kann mir da einfach nichts vorstellen. An einem Artikel, der sauber gemacht ist, arbeitet man sicher etliche Stunden. Auch wenn es "nur" drei Seiten sind. Hier in der Schweiz sind 140Euro die Stunde ein normaler Ansatz in der SW Entwicklung. Da muss also pro Seite locker >200Euro drin sein. Oder irre ich da so gewaltig?

Jürgen Gutsch hat gesagt…

Hallo,
schön geschrieben. Leider kann ich die Ansicht bestätigen :-(

@Roland
> Da muss also pro Seite locker >200Euro drin sein.
"müsste", nicht "muss"
Das ist ja genau das Problem. Je etablierter der Verlag, desto mehr greift IMO der "MSDN Magazine"-Effekt.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Geniali: 40 EUR bzw. bei einem 5 Seiten Artikel 16 EUR/Seite sind "arg wenig". Konsequenterweise sollten sogar die 40 EUR nicht gezahlt werden. Sie unterstreichen sonst noch, dass es sich nicht lohnt.

Wieviel zahlen andere Fachzeitschriften? Bei der dotnetpro geht es für den "Junior Autor" ;-) bei 100 EUR los. Ab der ersten Seite. Danach ist es Erfahrungs- und Verhandlungssache.

Dass eine Zeitschrift mehr als 200 EUR/Seite zahlt, habe ich aber noch nicht gehört.

Insofern bleibt Schreiben eine vergleichsweise schlecht bezahlte Tätigkeit. Schreiben ist Akkordarbeit ;-)

Aber davon sollte sich der Kompetenzträger nicht per se abschrecken lassen. In der dotnetpro lassen sich auch mal 6-8 Seiten platzieren oder ein Thema über mehrere Ausgaben verteilen. 8 Seiten à 130 EUR sind 1040 EUR. Wenn man die als Angestellter in seinr Freizeit verdienen kann, ist das doch nicht ganz schlecht. Zwei Artikel pro Jahr bringen dann schon einen kleinen Urlaub ;-) Wer dann noch gut und schnell schreibt... der verdient auch schneller mehr.

Unterm Strich ist´s aber so: Schreiben ist im Vergleich zur Beratung schlecht bezahlt. Deshalb fragen sich auch die meisten projekteingespannten Kompetenzträger, warum sie schreibend ihr Wissen weitergeben sollten.

Das ist ganz verständlich - aber sehr, sehr tragisch für die Branche. Die, die am meisten wissen, sagen es nicht weiter. So sind die, die es nicht wissen gezwungen, das Rad immer wieder neu zu erfinden.

In der Wissenschaft ist das institutionalisiert anders. Die Wissenschaft lebt nach dem DRY-Prinzip: sie strebt danach, sich nicht zu wiederholen.

Die Softwareentwicklungsbranche hingegen... die mag für die Programmierung DRY predigen. Aber ansonsten lebt sie so gar nicht danach.

Nun mag man sagen, dass doch aber mit den Blogs usw. alles anders und vor allem besser geworden sei.

Tja... für die Wissenssuchenden insofern, als dass sie nun unendlich viele Quellen haben, die irgendwas sagen. Die sind auch alle kostenlos. Oder nein: man bezahlt sie nicht für´s Lesen, aber man bezahlt selbst in Form vieler Stunden eigener Filterarbeit.

Die ist schon vor dem Internet zurecht Sache von Redaktionen gewesen. Dafür verdienen sie honoriert zu werden.

Und allemal, würde ich sagen, verdient der, der Wissen schöpft, honoriert zu werden.

Aber leider ist die Welt nicht mehr so einfach. Bin ich deshalb altmodisch? Hm...

Ich bleibe mal dabei: wenn nicht für die Wissensschöpfung und Vermittlung direkt bezahlt wird, wenn es also nicht um die Qualität des Wissensproduktes geht, dann geht es notwendig um etwas anderes. Was das ist, ist egal. In jedem Fall geht es nicht mehr um das, was Leser wollen. Die wollen und brauchen nämlich Produktqualität. Dafür sind sie - ich bin sicher - auch bereit zu zahlen.

Wenn die auf der anderen Seite aber nicht mehr stimmt... dann setzt ein Negativtrend ein.

In einem James Bond Film mag Schleichwerbung letztlich egal sein. Ob er mit einem Audi oder BMW oder Austin fährt, ist für den Actiongenuss egal. Die Actionqualität leidet nicht unter der Auto- oder Uhrenmarke.

Bei einer Berichterstattung jedoch... da geht "Schleichwerbung" gar nicht. Zum einen, weil die Produktqualität direkt darunter leidet. Zum anderen weil sie schlicht gegen das journalistische Ethos verstößt. (Welche Redaktionen das allerdings für sich reklamieren ist zweifelhaft angesichts dessen, dass bei Fachmagazinen eher keine Journalisten arbeiten.)

Zum Schluss nochmal ein Wort zum Honorar: Die 100+ EUR, die durchaus ab der ersten Seite gezahlt werden, sind nicht soviel. Es dürften gern ein paar mehr sein. Auf der anderen Seite aber besteht der Lohn des Schreibens nicht nur im Honorar.

Recht verstanden ist Schreiben Reflektion, bringt also dem Autor selbst Wissensgewinn.

Dazu kommt im besten Fall noch Ansehen, Respekt. Wer publiziert, macht sich einen Namen. Das kann sehr befriedigend sein, gerade wenn man sich im Projekt manchmal nicht recht verstanden fühlt.

Allerdings ist dafür eine gewisse Beständigkeit im Publizieren nötig. Und es hilft auch, dass die Publikationsplattform einen Namen und Reichweite hat. Bezogen auf meine Geschichten ist das aber nicht unbedingt der Fall. Insofern wird das nicht gezahlte Honorar dort nicht einmal wett gemacht.

-Ralf

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Jürgen: In Deutschland haben wir im Näheren oder Weiteren für .NET-Entwickler relevante Fachzeitschrift, die auch nur an Renomee oder Reichweite des MSDN Magazines herankäme.

Naja, die iX vielleicht. Aber selbst die zahlt Honorar, sogar ein (im Vergleich) recht ordentliches.

Kein Magazin kann also auf so eine Politik setzen ohne Strafe. Die Verkaufszahlen von dotnetpro und dot.net Magazin kann man hier sehen:

http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=12&u=&p=&t=Alphabetischer+Gesamtindex&b=d

Die dotnetpro führt mit wenigen Tausend vor dem dot.net Magazin. Grandios sind beider Verkaufszahlen aber nicht. Sie liegen deutlich unter 10.000.

ASP.NET Pro, Visual Studio One, OBJEKTspektrum: sie alle sind nicht einmal IVW-gelistet. Die Auflagen sind also so klein, dass man sie Anzeigenkunden nicht einmal verraten möchte.

Weder dotnetpro noch dot.net Magazin haben jedoch eine Position, dass sie sich wirklich nicht um Autorenzufluss, Leserschaft und Nachwuchsförderung kümmern müssten. Dennoch tun sie es nicht wirklich. Sie ringen die Hände und fragen sich immer wieder, woran es denn liegt, dass sowenige sie lesen. Oder sie machen die Augen zu und murmeln vor sich hin, dass es ja auch schlimmer sein könnten.

Unterm Strich sehe ich daher... Stillstand. Die Magazine sind auf einem Stand von vor 10 Jahren stehengeblieben. Da helfen auch keine Websites. Die BasicPro hatte auch schon ein digitales Komplettarchiv.

Mit den veränderten Lesegewohnheiten, mit den veränderten Technologien, mit der veränderten Wissensbandbreite halten sie nicht Schritt. (Oder die Schritte sind so klein, dass man sie nicht sehen kann.)

Der Markt ist also reif für einen Trailblazer, einen Shaker, einen, der nicht "me too" ruft. Der Markt, nein, die Entwicklergemeinde braucht jemanden, der in Qualität (!) investiert.

www.infoq.com gefällt mir da recht gut. Aber infoq ist eine Zeitung und kein Fachmagazin.

Die Lücke bleibt also noch.

-Ralf

GENiALi hat gesagt…

Oje, das überrascht mich jetzt aber negativ. Dachte echt nicht dass es so schlimm ist. Ich ging davon aus, dass hier mehr läuft.

Ich dachte auch, dass die Dotnetpro und Dotnet Magazin eine grössere Auflage haben.

Die ganze Thematik macht mir fast ein wenig Angst. Ich bin auf das Know-how von euch angewiesen. Ich bin noch lange nicht so weit das dem nicht mehr so ist.

Ich gehöre zu denen die mehrere Fachbücher im Jahr kaufen. Ich liebe die. Aber da komme ich langsam an ein Problem, dass ich bis vor ein paar Jahren nicht kannte. Ich suche in zwischen Bücher die an Fortgeschrittene gerichtet sind. Ich muss keine Bücher mehr haben die mit den Grundlagen beginne. Bei deutschsprachigen Titeln wird das schon schwierig. Lese zwar gerade ein Buch zu LINQ. Genau das was ich suche. Keine Basics mehr, sondern gleich zum Thema kommen. Solche Bücher sind auch Mangelware. Wenn ich mich nicht irre war das auch schon mal ein Thema in einer Ausgabe von Dotnetpro oder Dotnet Magazin.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Geniali: Tja, das ist schon lang ein Mysterium, warum nur ca. 12.000 Entwickler von insg. wohl um die 80.000 ein Fachmagazin lesen. Es liegt wohl am Ausbildungssystem bzw. an den verschiedenen, die wir haben. Fortbildung nach einem Abschluss wird dort nicht systematisch vermittelt. Und Arbeitgeber fordern das schon gar nicht - jedenfalls viele nicht. Das (!) ist der wahre Übelstand.

Dass dann das Web mit seinen kostenlosen Angeboten scheinbar die Lösung im Bedarfsfall darstellt... nun ja, das ist halt auch nicht zu verleugnen. Eine echte Kosten-Nutzen-Rechnung wird da nicht angestellt. Aber ich glaube, dass die vielfach schlechten Beschreibungen im Web einen echten volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Beispielrechnung: Ein Laienautor schreibt im guten Glauben im Web etwas, das lesen dann 1000 Entwickler. Die brauchen 30min bis sie es gelesen und verstanden haben. Wenn eine Redaktion den Inhalt des Autors gefiltert und in Form gebracht hätte, wäre er leichter zu verstehen. Redakteure sind (oder sollten zumindest sein) Kommunikationsprofis. Jeder Leser hätte dann nur 20min gebraucht fürs Lesen und Verstehen. Ergo: Die unredigierte Publikation im Web hat 1000 Leser 10min=167h gekostet. Das sind um die 10.000 EUR volkswirtschaftlicher Schaden durch irgendeinen wohlmeinenden Autor auf einem anderen Kontinent. Tragisch!

Damit will ich nicht sagen, dass es im Web keinen guten kostenlosen Content gibt. Ich halte ihn nur für maßlos überschätzt. Kleine sichtbare Kosten (z.B. Abokosten für die dotnetpro) werden mit einem Federstrich unverständiger Chefs gegen hohe versteckte Kosten eingetauscht. Tragisch!

Die Lichter gehen natürlich grad noch nicht aus bei den Wissensvermittlungsplattform - trotz der beschrieben Politik. Doch es braucht mehr Leser, die wie du Wert auf redaktionell aufgewerteten Content legen. Der kann auch noch besser werden. Klar.

Deshalb bin ich ja dafür, dass die Plattformen investieren. Sie sollten ein Signal setzen: "Seht her, es lohnt sich!" Dafür brauchts aber mehr (oder überhaupt) Mut, sich mal den Gegebenheiten 2008 anzupassen. Artikel einfordern, redigieren, drucken, Heft rumschicken... das ist zuwenig.

-Ralf

GENiALi hat gesagt…

Danke für deine Ausführungen.

Jetzt weiss ich auch wie so ich die Sandbox im Dotnetpro so liebe.

Weiter so.