Follow my new blog

Mittwoch, 21. November 2012

Spekulatives Coworking

Heute probiere ich mal einen Coworking Space aus. Places Hamburg heißt der. Ist noch so neu, dass die Handwerker im Hintergrund wurschteln und auch mal den Strom abklemmen. Naja, macht nix, dafür kostet das Coworking bis Ende November 2012 hier nichts. Dafür darf zwischendurch der Akku in meinem MacBook Air übernehmen.


Dass es an meinem Fensterplatz ein wenig zugig ist, weil die Heizung komplett unterhalb des massiven "Tischbrettes"ist, nehme ich auch in Kauf. (Manchmal ist es schon merkwürdig, wie Funktionalität für Design geopfert wird. Was Innenarchitekten sich so denken... oder eben auch nicht...)


Coworking-Atomphäre will ebenfalls noch nicht aufkommen. Ich bin der einzige der hier arbeitet und nicht dazu gehört. Ansonsten nur zwei ältere Damen im Café, das auch zu Places Hamburg gehört. Es ist eher lone working. Noch. Denn bestimmt werden sich über die nächsten Wochen weitere Coworking-Suchende einstellen.


Für heute stört mich das alles nicht. Ich komme mal raus aus meiner Home Office und sehe etwas anderes als mein übliches "Büro", das elbgold Café am heimischen Mühlenkamp nahe der Alster.

Doch ich nehme meine Erlebnis hier mal als Anlass darüber zu spekulieren, wie für mich eigentlich Coworking aussehen müsste. Was wäre für mich attraktiv als Alternative zu Home Office und normalem Café?

Zuhause arbeiten zu können, ist schon ein Geschenk. Alles, was ich brauche, ist zur Hand. Für Raum, Infrastruktur (WLAN, Drucker, Scanner usw.) und Verpflegung habe ich schon gezahlt. Sobald ich woanders arbeite - außer beim Kunden - können meine Kosten nur steigen. Wenn ich mich dafür entscheide, sollte also etwas dafür herausspringen. Ich will was bekommen für meine zusätzlichen Kosten.

Man könnte mich mit etwas locken, das ich zuhause habe (oder auch nicht) und mir der Coworking-Space auch bietet. Ganz oben auf der Liste der Coworking-Space Anbieter ist da ein Arbeitsplatz (Tisch, Stuhl), Strom und WLAN.

Hm... da bin ich allerdings nicht so beeindruckt. Tisch und Stuhl und sogar Strom bekomme ich in fast jedem Café oder einer Bibliothek auch. WLAN? Nein, tut mir leid, habe ich in ausreichender Geschwindigkeit in der Tasche. Mein iPhone mit 3G als Router reicht mir innerhalb von Großstädten an den meisten Plätzen.

Wofür also bei Places Hamburg 25 EUR pro Tag ausgeben? Oder beim betahaus 15+ EUR/Tag, im Werkheim 15 EUR/Tag, im @Lilienhof 45 EUR/Tag?

Wenn ich mehr Platz und vor allem "neutralen" Platz brauche, wo ich mich mal mit Kollegen/Kunden zusammensetzen kann... dann will ich einsehen, dafür etwas zahlen zu müssen. Das geht über das hinaus, was ich zuhause habe.

Oder wenn ich etwas geboten bekäme, was ich mir nicht leisten kann, z.B. ein SMART Board, dann würde ich das auch einsehen.

Aber für einen Preis ab 15 EUR bekomme ich... Strom, Tisch, Stuhl. WLAN. Das war´s?

Im elbgold, die mich gern auch einen ganzen Tag unbehelligt arbeiten lassen, bekomme ich für 15 EUR deutlich mehr. Nämlich zum Beispiel 5 x einen leckeren Chai oder 1 x Kuchen + 1 x Lachs Bagel + 2 x Chai.

Achja, da war noch etwas bei den Coworking Spaces: Es heißt ja Co-Working, also irgendwie geht es auch um Arbeit mit anderen gemeinsam. Man bietet eine Bude voller Leben, eine bunte Mischung aus Arbeitenden. Klar, das habe ich nicht zuhause - außer meine Tochter ist da und macht Hausaufgaben.

Ja, zuhause ist es manchmal etwas still und einsam. Deshalb gehe ich auch ins "Büro". Da treffe ich Menschen, die ich kenne. Wir plaudern dann. Oder ich sehe viele Menschen, die mir eine Art "rauschenden Hintergrund" für meine Arbeit bieten. Mir macht das nichts aus, wenn an allen Tischen geredet wird. Dabei kann ich mich wunderbar konzentrieren - und fühle mich irgendwie auch als Teil einer Gemeinschaft. Dass das keine ebenfalls arbeitenden Menschen sind, sondern solche, die ins Café zur Entspannung gehen, macht nichts. Soviel will ich gar nicht mit anderen über meine Arbeit reden.

Ein Coworking Space will mir nun das auch bieten: eine Gemeinschaft der Arbeitenden, der etwas Gesellschaft Suchenden. Und sogar noch mehr will der Space sein, nämlich einer, in dem sich auch Kontakte ergeben, in dem es zu überraschenden Netzwerkverknüpfungen und Zusammenarbeit kommt.

Tolle Sache. Dass sich im elbgold für mich schon ein halbes Dutzend schöner Zusammenarbeiten und Freundschaften entwickelt haben, will ich dagegen gar nicht anführen. Ich frage mich nur, warum ein Coworking Space nur dafür von mir 15 EUR oder mehr haben will?

Zugegeben, der Arbeitsplatz im Coworking Space ist eben ein Platz zum Arbeiten. Das ist manchmal ein bisschen bequemer als in einem Café. Wieviel möchte ich dann aber für solche Bequemlichkeit ausgeben?

Ich will auch einsehen, dass ein Café wahrscheinlich ungern alle seine Plätze von Leuten wie mir belegt sehen möchte. Ich verzehre auf meinem Stuhl über einen Tag weniger als würden Gäste darauf im Stundentakt wechseln.

Aber genug der Kritik. Ich schalte mal in den Spekulations- und Fabuliermodus. Was fände ich denn nun attraktiv? Tisch, Stuhl, Strom, WLAN führe ich nicht auf. Die sind selbstverständlich. Damit kann ein Coworking Space gegenüber einem Café nicht punkten.

Stattdessen würde mich reizen...
  • Ein Ort, an dem ich für mein Geld den Tag über versorgt bin. Ich möchte mich auf meine Arbeit konzentrieren und nicht auf "Nahrungssuche". Das bietet ein Café nur begrenzt. Mir geht es um einen gesunden Mittagstisch mit etwas Auswahl, gesunde Snacks und ein paar "Grundgetränke": das sollte im Preis enthalten sein.
  • Ein Ort, an dem ich meinen Modus wechseln kann. Stillarbeit am Tisch, Überlegen am Whiteboard, Diskutieren in kleiner Runde etwas separat. Das sollte nach Verfügbarkeit bzw. timeboxed im Preis enthalten sein.
  • Ein Ort, an dem ich Mittel nutzen kann, die ich sonst nicht habe. Ein SMART Board steht für mich da ganz oben auf der Liste. Heute noch einen Konferenzraum ohne auszustatten, finde ich anachronistisch. Beamer und Flipchart sind zu wenig. Andere Mittel wären Zugänge zu kostenpflichtigen online Angeboten, beispielsweise IEEE oder ACM. Die könnten auf Pad-Computern eingerichtet sein, die man sich ausleihen kann (solange der Vorrat reicht). Oder warum nicht eine Lego Mindstorm Ecke? Oder Raspberry Pi? Oder eine AR Drone? Halt geeky stuff, den ich sonst nicht habe. Daran könnte ein Coworking Space auch weitere Angebote hängen, z.B. Workshops zur Einführung in die Programmierung von solchen Technologien oder Wettbewerbe. Halt Community Events, die gern etwas kosten dürfen. [1]
  • Ein Ort, der skaliert, wo ich jenseits des Vorgenannten auch mehr Raum bekommen kann. Dafür bezahle ich dann gern mehr.
Muss das alles stylish sein? Darauf legt Places Hamburg nämlich wert. (Allerdings fühle ich mich hier eher wie im Einrichtungshaus. Die Nüchternheit ist mir ein bisschen zu modern, glaube ich. Das private Cinema im Keller jedoch... mit gemütlichen Sesseln... das finde ich cool.)

Nein, speziellen Style brauche ich nicht. Auf meinem Platz muss ich es einen Tag gut aushalten können ohne Rückenschmerzen. Das reicht. Biergartenbänke wäre da wohl zuwenig. Ansonsten jedoch kann es einfach, funktional sein, wenn das die Kosten überschaubar hält.

So, wie es aussieht, gibt es einen derartigen Coworking Space in Hamburg derzeit wohl nicht. Die Verpflegung muss extra bezahlt werden oder ist minimal. Der Moduswechsel ist nur begrenzt möglich ohne Aufpreis. Und besondere Technologie sehe ich weit und breit nicht.

In Summe sind Coworking Spaces für mich also noch nichts. Sie sind mir für ihr - sorry to say - hausbackenes Angebot zu teuer im Vergleich zu meinem Home Office oder einem Café. Nach dieser Spekulationsrunde weiß ich jedoch, warum ich mich bisher dafür nicht erwärmen konnte.

Wie sich ein Coworking Space nach meinem Geschmack finanzieren ließe, weiß ich grad auch nicht aus dem Stand. Muss ich aber auch nicht ;-) Ich wünsche mir einfach nur mal etwas. Jedenfalls wäre ich bereit, dafür einen monatlichen Grundbetrag auszugeben, z.B. 10-20 EUR. Und dann pro (halbem) Tag noch etwas dazu, z.B. 15-20 EUR - wenn ich dafür versorgt bin. Das ließe sich ja auch mit meinem heimischen Budget für Frühstück/Mittag oder so verrechnen.

Hm... vielleicht sollte ich jetzt mal auf die Suche gehen, ob es noch andere gibt, die sich Ähnliches wünschen. Dann machen wir den Geek Space Hamburg auf :-)

Fußnoten

[1] Einige dieser Mittel mögen speziell interessant für Softwareentwickler sein. Aber warum auch nicht. Wenn die Flash Designer oder Grafik Designer andere wollen, dann nur zu. Vielleicht bilden sich dann Coworking Spaces für Branchen statt ganz allgemein für Freiberufler.

Kommentare:

Carsten hat gesagt…

hmm.. wo könnte ich persönlich Vorteile sehen?

Eigentlich nur bei den Dienstleistungen - sprich es müsste jemand da sein, der z.B. die üblichen IT Problemchen übernehmen kann.
Ich will mich nicht um Ablenkungen wie Koffein, Papier, defekte Bildschirme, (schnurlose) Tastaturen ohne Saft, etc. kümmern müssen.

Ein Platz nur für Entwickler könnte zusätzlich noch Leute fest beschäftigen, die bei Fachproblemen helfen - sozusagen Berater on Demand (vermutlich mit Aufpreis).

Ist das machbar?
Wahrscheinlich nicht - aber ansonsten finde ich solche Plätze höchstens für Community-Aktionen wie Code-Nights, Treffen und Ähnliches interessant.

PS: ich bin zu dumm für das Captcha auf der Seite ...

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Carsten: Bildschirme, Tastaturen? Wofür sollen die denn da sein? "Bring your own laptop" sollte das Motto sein. Mehr brauche ich jedenfalls nicht.

Aber gut, warum nicht auch Arbeitsplätze mit 27" Monitor anbieten oder duale Monitore? Solang der Vorrat reicht. Und dann natürlich auch mit Hilfe, wenn was nicht klappt.

Scanner, Drucker setze ich auch voraus wie WLAN.

Also Stichwort Infrastruktur. Die sollte insgesamt genauso gut wie daheim oder besser sein. Das kann ein Café nicht bieten.

Besonders interessant find ich aber den Aspekt mit der Hilfe bei Fachproblemen.

Da könnte vom Coworking Space gelegentlich ein "Expertentag" organisiert werden: man lädt jmd ein. Oder es können sich dort auch Experten andienen, die man zubuchen kann. Oder es kann auch jeder auf einem öffentlichen Profil notieren, was er denn so für Interessen und Kompetenzen hat. Wer dann anwesend ist, kann gefragt werden.

Christopher hat gesagt…

Disclaimer: Ich betreibe einen CoWorking Space.

Danke für deinen Beitrag - es sind interessante Aspekte vorhanden. Es gibt kaum CoWorking-Spaces die einen Gewinn abwerfen, die meisten die ich kenne machen Verluste oder kommen gerade auf Null heraus. Hier also: Billiger (oder: Mehr zum selben Preis) zu fordern, ist abseits der Realität.

Die CoWorking Spaces die ich kenne leben von Menschen, die z.B. Ihr LegoMindstorms einfach mitbringen und damit etwas machen. Das wird sicherlich viele interessieren und Sie werden ganz schnell ins gespräch mit dir kommen. Es wird sich etwas daraus entwickeln.

Genaus so mit dem Smart Board. Finde ich eine klasse Idee, ich habe es in noch keiner Präsentation gebraucht und wäre garnicht auf die ide gekommen. Das ist doch was für Schulen.

Zusammengefasst: Das eigentliche am CoWorking, nämlich Community und Kooperation, kann nicht von den Betreibern kommen, sondern nur von denen, die es benutzen. Wer Service und Infrastruktur haben will, geht ins Business Center. Wer Netzwerk und Freunde haben will, geht ins CoWorking.

Wer das mit den Preisen verbessern will, kann gerne Partner von mir als CoWorking Betreiber werden und einen Teil des finanziellen Risikos tragen (Ich meine das ernst, ich wäre sehr dankbar dafür!)

Falls du mal in der Gegend um Tübingen bist, lade ich dich sehr gerne ein, mal bei uns vorbei zu schauen und die Diskussion zu vertiefen.


Grüße
Christopher

Marcin hat gesagt…

Ich denke, dass du nicht zu der Kernzielgruppe gehörst. Wenn du in Hamburg wohnst, eine eigene Wohnung hast, ein Cafe mit guten Service und Verständnis kennst, dann wirst du dies nicht benötigen.

Aber wenn du stattdessen in einer fremden Stadt bist und die Wahl zwischen dem Hotelzimmer und solch einer Umgebung/Dienstleistung hast, sieht die Welt anders aus.

Gruß

Marcin

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Christopher: Ich freu mich, dass du als Vertreter "der anderen Seite" dich hier meldest.

Dass Coworking Spaces betreiben nicht reich macht, hab ich mir gedacht. Wird eher ein Liebhaberprojekt sein oder für etwas Zubrot.

Die pauschale Aussage, dass mehr für weniger unmöglich sei, finde ich aber abseits der Realität. Da sind für mich viel zu viele verborgene Annahmen drin. Da klingt für mich auch Enttäuschung und Frust mit.

Das kann ich verstehen - aber ich möchte mich nicht dadurch im Nachdenken begrenzen lassen. Das ist eine Argumentation aus der Vergangenheit heraus. Mit der hätte es ja aber nicht mal den ersten Coworking Space gegeben - denn früher gab es die nicht und man brauchte sie nicht und überhaupt würde sich sowas nicht rechnen.

Aber es gab Leute wie dich, die sich davon nicht haben beirren lassen. Manchmal ist es halt von Vorteil, kein langjähriger Experte in irgendwas zu sein. Innovation kommt ja eher selten aus dem Establishment.

Also frage ich keck: Gibt es womöglich schon ein Establishment der Coworking Spaces?

Ja, ein bisschen Provokation darf sein ;-)

Aber zu deinen Argumenten:

Wenn Coworking heute von Leuten lebt, die Lego Mindstorms mitbringen... dann begrenzen sie sich selbst. Denn wie immer im Leben ist die Zahl der Enthusiasten sehr klein. Das merken Community Aktivitäten in der Softwarebranche, das merken Diskussionsforen, das merkt der Umweltschutz usw. An allen Ecken wollen die meisten etwas geboten bekommen und nicht bieten. So ist das eben. Free riding, wo es geht.

Warum ist es denn unmöglich zu denken, dass ein Angebot von Lego Mindstorms den Erfolg vergrößern könnte - auch wenn das vielleicht die Kosten erhöhen würde?

Kosten sind nie das Problem. Dazu nicht passende Einnahmen sind das Problem. Du kannst also auch mit 10 mal so hohen Fixkosten erfolgreich sein - wenn dein Angebot stimmt.

Smart Board & Co: Wie schon gesagt: Ich möchte vom Coworking Space ein attraktives Angebot bekommen. Für nen warmen Platz mit WLAN muss ich nicht mal aus dem Haus. Und ob ich mit den Leuten da was anfangen kann...? Keine Ahnung. Also möchte ich etwas geboten bekommen. Und zwar einen Platz der Möglichkeiten und der Anregungen. Nicht, weil sich da zufällig durch einen Enthusiasten was ergibt, sondern weil das Programm des Coworking Space ist.

Ähnliches sage ich zu Buchhandlungen: Ich habe alles für euch - aber macht mir ein Angebot. Derzeit stimmt das nicht mehr. Ich bestelle 95% meiner Bücher erstens online und zweitens als eBook. Da kann der Buchhandel jammern wie er will. It´s a consumers´world.

Deshalb: Wo ist denn die Phantasie bei den Coworking Spaces? Platz für einen Stammtisch zu bieten und ansonsten alles der Community überlassen... das ist nicht phantasievoll, sondern bald naiv. Denn das nutzt sich ab. Coworking ist insofern follower und nicht leader.

Smart Boards für Schulen? Da mögen einige hängen. Aber bitte, wenn das nicht ein Tool für jeden Meetingraum ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Du schmeißt Whiteboard und Flipchart in die Ecke. Dito ein Visual Presenter, wenn man sich noch kein Smart Board leisten will. Die Welt hat sich gedreht seit Overheadprojektor und Flipchart.

Dass Coworking Community und Kooperation ist, halte ich für eine romantische, wenn auch verständliche Vorstellung. Dann ist es doch aber inkonsequent, einen Space nicht als Verein oder mindestens non-profit zu betreiben. Das erwarte ich, wenn ich als Community Mitglied gefordert bin.

Business Center? Genau eben nicht. Viel zu unflexibel. Und zu teuer. Und bieten auch nicht genug. Ich hab ja gesagt, was ich suche. Das ist anders, kleiner.

Danke für dein Angebot. Kusterdingen liegt aber leider nicht so in der Nähe meiner üblichen Routen. Aber die Idee mit Coworking auf dem Lande find ich gut. Und auch, dass ihr schon etwas mehr an Hilfsmitteln bietet (Schneidemaschine, Büromaterial usw.). Das geht doch in die richtige Richtung.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Marcin: Warum sollte ich in einer fremden Stadt sein und dort keinen Arbeitsplatz haben? Wenn ich reise, dann vor allem zum Kunden - d.h. zu einem Arbeitsplatz. In München oder Frankfurt brauche ich viel weniger Coworking Space als in Hamburg.

Ganz gelegentlich mag es anders sein. Da könnte ich heute einen Coworking Space für ein Treffen nutzen, das früher in der DB Lounge stattgefunden hat.

Ich sehe mich also sehr wohl als Zielgruppe. Ich suche ja auch einen Coworking Space als Alternative zum Café. Nicht dringend, aber ich wäre interessiert. Nur muss eben das Angebot stimmen. Wie gesagt: WLAN und trocken/warum mit Tisch reicht nicht. Da bezahle ich lieber weniger für nen vollen Bauch im elbgold.

Coworking steht erst am Anfang. Wer glaubt, schon am Ende zu sein, gibt zu früh auf. Die große Flexibilität von viel mehr Menschen in Bezug auf ihre Arbeit kommt erst noch. Die wollen nicht alles zuhause bleiben. Die wollen nur nicht pendeln.

Wo ist der Coworking Space mit KITA? Wo ist der Coworking Space in Zusammenarbeit mit einem Supermarkt? Wo ist der Coworking Space mit Nasszelle oder Anschluss an ein Fitnessstudio? Wo ist der Coworking Space, der Freiberufler unterstützt, wenn sie zu ihren Kunden reisen? Wo ist die Zusammenarbeit mit Steuerberatern, um Freiberuflern bei den lästigen Finanzen zu helfen und sie profitabel zu machen? Wo ist der Coworking Space, der Freiberuflern gegen den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit hilft?

Coworking ist schon viel weiter gedacht in (!) Firmen wie Microsoft und Google. Die haben fun to work at Arbeitsplätze geschaffen.

Coworking könnte sich als Advocat der Freiberufler in dieser Hinsicht verstehen: Sie bieten Freiberuflern das, was innovative Unternehmen ihren Angestellten bieten.

Und je besser das Angebot, desto größer der Zulauf.

Wir wollen doch frei und trotzdem angebunden sein. Frei sind wir schon. Fehlt jetzt noch die Angebundenheit, um die Balance hinzukriegen.

Coworking als Community Kuscheln zu denken, halte ich für romantisch und viel zu kurz gedacht. In Coworking steckt viel mehr.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Christopher, @Marcin: Noch eines fällt mir ein. Warum denkt Coworking in Bezug auf das Businessmodell eigentlich so eng? Warum sich nur von den Freiberuflern bezahlen lassen?

Wenn Freiberufler im Coworking Space Zeit verbringen, dann wollen andere sie sicher dort erreichen: die Bank, der Steuerberater, der Rechtsanwalt, der Arzt usw. Das ist wie im Krankenhaus. Da gibt es Friseur, Bankfiliale, Kiosk. Die kommen zu den Patienten und auch den Angestellten, weil die nicht so leicht wegkommen.

Und die zahlen dafür. Warum also nicht andere Dienstleister auftun, die die Nähe zu der Clientel suchen - und sie zahlen lassen?

Wer Coworking ernst nimmt, also letztlich das Lebens- und Businessmodell von Freiberuflern und anderen besonders flexibel Tätigen, der muss sich einfach mal wirklich in deren Bedürfnisse reinversetzen. Das geht über Networkkuscheln hinaus. Da geht es um ganz handfest organisatorische Dinge. Da geht es auch um die Substanz: den Umgang mit Geld, den nicht alle gut beherrschen. Wieviele Pleiten gibt es, weil Selbstständige ihre USt/EkSteuer nicht im Blick behalten haben? Das kommt in den besten Familien vor, wenn der Druck groß genug ist.

Hier tut sich also ein großes Feld auf für Kreativität. Style, WLAN, Konferenzraum... das ist trivial. Damit kann jeder rumkrebsen. Aber echte Hilfe (!), um mein Business einfacher wuppen zu können... Die gibt es nicht. Da ist die Lücke. Wer schließt sie?

Anonym hat gesagt…

Also was die Verpflegung betrifft, so kann ich Dir das Unperfekthaus in Essen ans Herz legen, falls Du mal in der Nähe bist. Und was sonstige Dienstleistungen betrifft, ebenso das Unperfekthaus samt Nebenprojekten der Betreiber. Ich finde, zusammen mit der Verpflegungsmöglichkeit ist das einfach sehr praktisch, es ist immer was für jeden beim Mittag dabei und unter dem Strich hat man so einen Coworking Space mit eigener Kantine. Und genug Leute für die kleinen Hilfen hier und da hat es auch. In Hamburg würde ich Dir sonst mal einen Besuch im betahaus empfehlen.

Ach ja, schreibe gerade als Besucher vom Contao Camp im Unperfekthaus, also nicht wundern, ist keine verdeckte Werbung oder sowas

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

Sieht interessant aus das Unperfekthaus. Finde ich jedenfalls kreativer gedacht, was Coworking bedeuten könnte, als bei Places Hamburg, ja, und auch beim viel besungenen betahaus.

Wenn ich denn mal in Essen sein sollte... schaue ich vorbei :-)

CoworkingSzene hat gesagt…

Man muss halt schauen, welcher Space zu einem passt und wenn es da keinen in der Nähe gibt, ist das Home Office besser und man geht vielleicht nur mal zu Events in Coworking Spaces. Das mit der DB Lounge als Treffpunkt kenne ich nur allzu gut, ExcellentBC hat ja offnebar genau aus dem Grund u.a. in Berlin ein flexibles BC eingerichtet, das man stundenweise nutzen kann. Daneben gibt es in vielen Business Centern auch immer häufiger Angebote mit Bezeichnungen wie "Coworking" oder "Shared Office", die tariflich ähnlich wie Coworking Spaces gelagert sind. Gegen Aufpreise kann man da dann auch die restliche Infrastruktur nutzen, die vermutlich eher Deinen Ansprüchen genügt, aber natürlich den Gesamtpreis in die Höhe treibt:

http://bit.ly/TdG0UO

Einen Coworking Space mit Kinderbetreuung gibt es in den Kölner Zeiträumen, bei Supermarkt und Fitness-Studio stelle ich mir die Frage nach dem Verhältnis von Kosten, Nachfrage und Erlös aus solchen Zusatzangeboten. Das ist vermutlich abhängig von der Lage und der (potentiellen) Anzahl der Mitglieder.

Manche Dinge wie Reiseplanung dürfte der Business Concierge aus der Telekom-Ecke abdecken, die Integration von Steuerberatern und Anwälten, die z.B. zu einem vergünstigten Gruppen- / Pauschaltarif beraten, könnte aber in der Tat hilfreich sein, gerade auch in Spaces mit vielen Gründern. Bei der Verpflegung gibt es ja in diversen Spaces zumindest kleine Snacks wie Schokoriegel usw., klassisches Kiosk- und teils auch Café-Sortiment.

Ich denke auch, dass die Beschränkung auf "Networkkuscheln" schlicht keinen nennenswerten Mehrwert darstellt, allerdings gibt es unter Coworkern und in wenigen Fällen auch unter Betreibern die Vorstellung, dass dies Coworking die Möglichkeit sei, laufend Leute mit Hippie- / Alt-68er-, Gender- und sonstigem Bullshit nerven zu dürfen, um sich in Pippi Langstrumpf-Manier ihre Welt zu machen, wie sie ihnne gefällt - unabhängig davon, ob der Rest der Leute das will / gefällt oder nicht.

Insofern sind in Sachen Mehrwert IMHO Club Office, das Unperfekthaus und teils auch die betahäuser nicht übel und eine willkommene Bereicherung und Abwechslung, aber ich stimme mit Dir überein, dass die Entwicklung wohl erst am Anfang steht, aber dort eben nicht stehenbleiben sollte. Leider tut sie genau das in vielen Aspekten die letzten 2-3 Jahre zu einem erheblichen Teil. Das hat wohl damit zu tun, dass viele Konferenzen etc. rund um dieses Thema eher auch nur die Funkton von "Networkkuscheln" haben. Zudem ist der Effekt kontraproduktiv, der sich in Communities online wie offline überall im Laufe der Zeit einschleicht: es entstehen innerhalb der Gesamt-Communities kleinere Communities oder Zirkel von meist selbsternannten "Alphatierchen", der einerseits Schulterschluss übt, also nur begrenzt durchlässig ist, und um den sich die devoteren Mitglieder der Gesamt-Community sammeln, weil sie denken, dort am ehesten Neues und Interessantes entstehen könnte. Leider oft genug ein Trugschluss. Und genau solche Mechanismen müßte man eigentlich vermeiden oder durchbrechen, diese werden jedoch auf vielen Konferenzen eher verfestigt. Ich vergleiche solche Konferenzen oftmals mit Hundeplätzen, wo es vorrangig darum geht, dabei zu sein, sich gegenseitig sonstwo zu beschnüffeln und in manchen Fällen auch als Zeichen der Zugehörigkeit sonstwo zu lecken.

RolfC hat gesagt…

Einen ganz anderen CoWorking Space den ich für ruhiges und konzentriertes Arbeiten sehr zu schätzen weiß ist der Lesesaal unserer Uni-Bibliothek. Ok, vielleicht nicht unbedingt sehr komfortabel und Kaffee wird einem auch nicht gebracht - aber manchmal geht es ja tatsächlich darum konzentriert mit etwas voran zu kommen. ;-)
Man ist unter Leuten die selbst in Ruhe etwas arbeiten wollen - es fällt einem also zu Hause nicht die Decke auf den Kopf (für mich ein Problem, wenn ich länger im Home Office arbeite).
Ansonsten arbeite ich auch gut und gerne im Café und es stört mich auch nicht, wenn andere Menschen da sind und sich unterhalten.

Auf jeden Fall weiter viel Erfolg bei der Suche nach DEinem "Social Home Office".

Gruß
Rolf

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@RolfC: Danke für die Idee mit dem Uni-Lesesaal. Eine öffentliche Bücherei ginge vielleicht auch, wenn dort ein bisschen "Arbeitsplatz" ist.