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Sonntag, 11. Oktober 2009

Fokussieren durch bezahlen [OOP 2010]

Wir zahlen zuwenig. Dieser Gedanke ist mir gestern gekommen. Ich hatte mit Google Reader meine RSS-Feeds durchstöbert, dann bei InfoQ geblättert und schließlich eine neue Zeitschrift zur Hand genommen, von der ich ein Probeexemplar bestellt hatte: NOVO argumente. Ganz normal hatte ich also im Überfluss an Lesestoff ein Bad genommen. Ganz normal hatte ich dabei cherry picking betrieben: nur, was mir auf Anhieb interessant erschien, las ich.

Hört sich doch eigentlich auch gut an, oder? Ist es nicht toll, wenn uns soviele Daten “at our fingertips” zur Verfügung stehen? Selbstverständlich. Das möchte ich auch nicht missen. Eine zivilisatorische Errungenschaft ersten Grades.

Und dennoch… Das Bad im Überfluss wollte mich nicht so recht erfrischen. Der Grund: Ich habe mich nicht fokussiert. Ich bin nicht tief gegangen. Ich habe mich nicht verstören lassen.

Meine Tochter hingegen hat nur eine sehr überschaubare Zahl an CDs und Kassetten mit Kindergeschichten wie Bibi & Tina oder Elea Eluander. Die hört sie wieder und wieder. Darin taucht sie tief ein, bis sie jede Einzelheit kennt und mit mir sogar arambolisch spricht. (Arambolisch ist die Sprache einer “Parallelwelt” bei Elea Eluander.)

Der Unterschied zwischen meiner Tochter und mir: Sie lebt im Mangel, ich im Überfluss. Sie taucht tief, ich schwimme an der Oberfläche.

Das ist natürlich eine verkürzte Darstellung. Der überzeichnete Kontrast hilft mir aber, meinen gestrigen Gedanken zu begründen: Ist der Überflüss an Daten vielleicht kontraproduktiv? Haben wir den falschen Wunsch, wenn wir uns noch mehr wünschen? Ist die “Umsonst-Kultur” des Internets nicht nur für Produzenten eine wirtschaftlich schwierige Sache, sondern auch für die Konsumenten?

Mich durchzuckte gestern jedenfalls beim Griff nach der Zeitschrift der Wunsch, es möge mehr kostenpflichtige Angebote geben. Die Zeitschriftenartikel kann ich im Internet kostenlos lesen – wie auch z.B. die der brand eins –, aber ich gebe für sie Geld aus.

Hatte ich zunächst gedacht, das täte ich nur, um in einem Heft bequemer als am Bildschirm lesen können, so sehe ich jetzt einen zweiten positiven Effekt: ich fokussiere mich mehr.

Lesestoff, für den ich bezahle, schenke ich mehr Aufmerksamkeit.

Das ist meine gestrige Erkenntnis. Der Volksmund weiß zwar schon lange, “Was nix kostet, ist auch nix wert”, doch gestern habe ich das echt gespürt, weil ich die Konsequenz gesehen habe. Meine Augen flogen über die kostenlosen Inhalte hinweg. War das Geschriebene zu holprig, bin ich gesprungen oder habe den nächsten RSS-Feedeintrag geöffnet. War ein Video zu langweilig, bin ich gesprungen oder habe das nächste gestartet.

Ohne spürbare Kosten gibt es keinen Anreiz, bei einem Inhalt zu verweilen.

Ist das schlimm? Ich würde sagen, ja, das ist aus mehreren Gründen “schlimm”:

  1. Wir verbrauchen die undiskutierbar endliche Ressource Zeit ineffektiv und ineffizient. Wohlgemerkt beziehe ich mich jetzt auf Zeit, in der wir etwas lernen wollen/sollen. Der Entspannung mag “Zappen” ja (gelegentlich) zuträglich sein.
  2. Wir geben Neuem/Unbekanntem weniger Chancen, weil wir schon genug damit zu tun haben, das Bekannte und Beliebte anzuklicken. Wenn wir hingegen gezahlt haben, tendieren wir dazu, auch mal das nicht unmittelbar Erfreuliche, Bekannte, Flauschige zu ertragen – und schließlich gar zu mögen und zu vertreten. Wir haben schließlich gezahlt, also nutzen wir auch die bezahlten Inhalte.
  3. Wir begünstigen die Abnahme der Qualität von Inhalten, weil die im Überfluss unter immer größeren Konkurrenzdruck geraten. Der könnte theoretisch zwar auch dazu führen, dass die durchschnittliche Qualität zunimmt – de facto scheint das aber nicht so zu sein. Überlebensfähiger scheint nicht inhaltlich Tiefgehendes zu sein, sondern schnelle Aufmerksamkeitsattraktionen und schnell Befriedigendes.
    Das bedeutet nicht, dass es keine “guten Inhalte” mehr gibt, aber sie sind schwerer als im Mangel zu finden.

Mein Fazit: Wir müssen mehr zahlen für Inhalte. Wieviel genau mehr und in welcher Form, weiß ich nicht. Dass aber Zahlungen nötig sind, scheint mir unausweichlich. Nur wenn wir zahlen, wenn Konsum insofern spürbar wird, kommen wir zu einem bewussteren Umgang mit unserer Zeit, mit unseren Ressourcen.

Welchen Schaden die Abwesenheit von Kosten anrichten kann, sehen wir jeden Tag an der wachsenden Spam-Flut (auch innerhalb von Unternehmen). Da Emails nicht kosten, gibt es kein Halten. Jeder verbreitet alles an alle, wenn ihm danach ist. Was ihm keine Mühe macht, belastet allerdings die Empfänger. Das ist umso schlimmer, da Email ein Push-Medium ist.

Ähnliches gilt für die Veröffentlichung in anderen Medien. Mit dem Internet ist es jedem jederzeit möglich auf jedem Niveau etwas zu veröffentlichen – sei es in Newsgroups, Blogkommentaren oder gar eigenen Blogs. Das kostet nichts beim Schreiben und nichts beim Lesen. Google bringt es in haltlos wachsender Menge vor meine Augen.

Wenn es aber noch vor dem Internet eine zivilisatorische Errungenschaft gab, dann ist es die Impulskontrolle. Sie ist sogar womöglich im Kern der Definition von Zivilisation. Wir sollten nicht jedem Impuls nachgeben. Warum preisen wir dann das Internet mit seiner Null-Kosten-Kultur so hoch? Ist das nicht merkwürdig. Dort leben wir jeden Impuls zur Äußerung und Konsumption einfach aus. Kost´ ja nix.

Zwar beschert uns das vorher ungekannte Freiheit und Datenfülle. Andererseits scheint es mir sowohl bei der Produktion wie der Rezeption Qualitätsmängeln Vorschub zu leisten.

Deshalb mein Gedanken, Produktion und Rezeption mit Geld zu steuern. Denn um nichts anderes geht es: Steuern von Zeitinvestitionen. Eine Latte, über die man springen muss, damit die knappe Ressource Zeit lohnenswert investiert ist.

Das ginge zwar auch irgendwie wohl mit mehr Selbstdisziplin und/oder Medienkompetenz. Vielleicht fehlt die mir ja schlicht als prä-Digital Native? Doch das gute alte Geld scheint mir ein einfacheres Mittel. Ich bin also im Allgemeinen dafür, mehr zu zahlen. Und ich bin auch bereit, selbst ganz konkret mehr zu zahlen und dadurch weniger Inhalte “at my fingertips” zu haben.

Dass das Bezahlen online anders als offline funktionieren muss, ist klar. Im Internet muss es Möglichkeiten zum kostenlosen Stöbern geben wie im Buchladen. Und Inhalte sollten in verschiedenen Granularitäten gekauft werden können. Am Ende tun wir uns aber, so glaube ich, alle einen Gefallen, wenn wir wieder für Inhalte zahlen.

Mehr, deutlich mehr kostenpflichtige Inhalte scheinen mir unausweichlich. Im historischen Rückblick werden deshalb wohl die ersten 15-20 Jahre “öffentliches Internet” mit seiner Null-Kosten-Kultur als Zeit der Verirrung angesehen werden. Schiere Datenflut ist eben nicht genug. Es braucht Hilfe beim Lenken und Fokussieren von Ressourcen. Und da ist Geld immer schon ein sehr probates Mittel gewesen.

Kommentare:

frank jurisch hat gesagt…

langsam und erst überlegen oder aus dem bauch und mit allem beiden unzufrieden ?
ich erinnere dich an deine etwas zurückliegende replik auf die zunehmenden anzahl nicht als werbespot gelabelter produktvorstellungen in den kostenpflichtigen medien. das betrifft in letzter zeit nun auch nicht mehr nur produkte sondern leider auch autoren selbst die ihr potentiell verfügbares wissen anschmecken lassen um die lüftung des geheimnis für die sehr kostenpflichtige beratung offen zu lassen. namen wären jetzt hilfreich aber ungerecht, die wollen leben wie auch die firmen die immer öfter wie es scheint leute mit wir-können-das-ganztollll-artikelanzeigen antreten lassen. es macht immer weinger spaß die zwei deutschsprachigen fachzeitschriften zu bezahlen und ich lese sie tatsächlich weil sie bezahlt sind. mühevoll manchmal weil themen zb im kostenlosen internetz durch gezielte recherche genauer und offener behandelt sind und nicht so offensichtlich herr-käufer-ich-weiß-was-wenn-du-mehr-zahlst. er soll sein geld haben aber ich mag nicht für diese als artikel getarnten anzeigen bezahlen.
msdn-magazin zb ist kostenlos im netz. wenn ich dafür bezahlen müßte wäre eine andere bezahlte quelle zu kündigen. wieviel soll ich mir leisten können ? es gibt unmengen magerinformation und noch mehr desinformation gerade im hinblick auf ccd. da sind sogar protagonisten bereit ihre faulheit sich an die eigenen regeln halten zu müssen mit einem es-sollte-doch-nur-das-prinzip-gezeigt-werden begründen. damit interessierte neulinge das button_click für wichtig halten (aha button also, nicht img oder was)? dafür mag ich nicht zahlen.
was hat meine fehlauswahl mit dem angebot und dessen preis zu tun ? warum lese ich deinen kram und nicht software-quick-and-dirty ? doch nicht weil du kostenlos bist ? ich bezahl ja auch deine sandbox. ich denke dass eine konzentrierte auwahl aus den angeboten bei mir selbst liegt. ich habe vertrauenswürdige quellen für meine allgemeinen probleme die selber wieder verweise enthalten auf andere angebote, meine aktuelles problem betreffend oder ich kann an der menge meiner favoriten sehen dass ich mich beschränke. das liegt nicht am preis sondern am fokus. die verfügbare qualität kostenlos erreichbarer information ist auch mit neuen kostenpflichtigen angeboten nicht steuerbar, jeder darf jeden scheiß publizieren. und ich muß die für mich aktuell richtige hilfe für mich finden. falsch: nicht DIE sondern EINE. und ob ich mich in kostenpflichtigen scheiß verirre oder bei deinen kolumnen und den interesseweckenden verweisen macht für mich einen riesenunterschied. dir vertraue ich, aus erfahrung. und einigen anderen auch. und einige neue kommen durch vertrausenswürdige hinweise hinzu. andere verliere ich aus den augen, weil es nicht mehr mein thema ist oder weil ich ins bett muß.
ich vermute eine melancholische verwirrung nach so viel erhofft beim bad und nur gebadet. deine tochter lebt im überfluß, du leidest unter dem ihr unbekannten mangel: zeit. du wolltest die ausgelesenen zeitschriften wegwerfen, das sollte deine tochter nicht probieren, ihre helden sind weg.
wenn dein blog was kostet suche ich mir einen anderen.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Frank: Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Allerdings müssen wir nun schauen, worüber wir sprechen. Du hebst ab auf die Produktion von Inhalten, ich auf die Konsumption.

Zur Produktion habe ich auch schon etwas gesagt, wie du richtig erinnert. Zum einen hier: http://ralfw.blogspot.com/2008/06/irrweg-advertorial-oder-wo-bleiben.html - da ging es um die Advertorials. Meine Meinung hat sich diesbzgl. auch nicht verändert. Für Advertorials auch noch zahlen, das will ich nicht.

Zum anderen habe ich hier geschrieben: http://ralfw.blogspot.com/2008/10/qualitt-hat-keinen-preis-mehr-so.html - da ging es darum, dass sich Medien nicht nur quasi für Inhalte bezahlen lassen (Advertorial), sondern selbst immer weniger für Inhalte ausgeben wollen. Auch an dieser Kritik ändert ja mein aktuelles Posting nichts.

Prämisse 1: Gute Inhalte kosten Geld. Irgendwie und irgendwen. Wenn wir mehr gute Inhalte wollen und weniger schlechte, weil wir sonst ein Auswahlproblem haben ("content spam"), dann lautet die Frage also: Wer sollte zahlen?

Prämisse 2: Je direkter ein Inhaltsproduzent Geld für guten Inhalt bekommt, desto verlässlicher produziert er ihn. Das liegt an der Länge der Feedbackschleife. Wenn der Leser den Autor direkt zahlt, spürt der eher, was als guter Inhalt empfunden wird, als wenn ein Verlag den Autor zahlt. Noch schlechter ist es, wenn der Autor mit dem Inhalt kein Geld verdient, sondern irgendwie anders.

Also: Wer zahlt? Zahlst du als Abonnent? Oder zahlst du nicht, aber irgendwelche Werbung zahlt (von Microsoft bis Dové)? Oder zahlst du, indem du einem Autor irgendwas abkaufst (Produkt, Dienstleistung)?

Auch wenn die Finanzierung durch Werbung eine lange Geschichte hat, finde ich sie weiterhin nur in Maßen attraktiv. Sie tendiert dahin, den Verleger zum Diener der Anzeigenschalters statt des Lesers zu machen. Und damit ist den verzweifelten Versuchen, Aufmerksamkeit zu erhaschen, Tür und Tor geöffnet. Banner, Popups, Videos: es rauscht nur so auf den Seiten, dass der Inhalt nebensächlich wird.

Werbung darf und muss sein. Auch sie ist ja durchaus Information für den einen oder anderen. Aber die heute vorherrschende Werbefinanzierung halte ich für überzogen.

Also: Wer zahlt?

Du sagst, du würdest mein Blog sofort nicht mehr lesen, würdest du dafür irgendwie zahlen müssen. Und ich sage: Wenn ich nicht irgendwie noch den Eindruck hätte, dass sich die Blogeinträge auszahlen, dann würde ich sie nicht schreiben. Wer zahlt also?

Natürlich zahlen die, die durch diese Form der Werbung auf mich aufmerksam werden, Vertrauen zu mir aufbauen und mich dann in ihren Projekten um Rat fragen.

Wie du siehst, funktioniert das irgendwie. Ich schreibe ja noch ;-) Aber ich finde es durchaus schade, dass die Bezahlung so indirekt ist.

Was du allerdings nicht siehst ist, dass einige gute Leute nicht schreiben. Von denen liest du nichts, weil sie nicht finden, dass es sich auszahlt. Willst du deren Meinung kennenlernen, dann kannst du sie nur buchen oder nur auf einer teuren Konferenz hören. Das finde ich auch sehr schade.

Die Guten, die nicht schreiben, weil sie Schreiben als viel schlechter bezahlt empfinden als etwas anderes, sind übrigens auch der Grund, warum dir das Niveau der zu bezahlenden Fachzeitschriften missfällt. Sie leiden unter einem Mangel an guten Inhaltsangeboten. Sie veröffentlichen nicht wirklich, was sie wollen, sondern das, was ihnen angeboten wird. Und das sind zwei Paar Schuhe.

Weiter im zweiten Teil der Antwort...

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Frank - Teil 2: Aber jetzt nochmal zur Konsumption. Um die ging es mir ja. Selbst wenn wie durch Magie ein Geldregen auf Inhaltsanbieter niedergehen würde und die Qualität anstiege, ohne dass wir etwas dafür bezahlen müssten, würde ich zahlen wollen.

Warum? Weil es mir um eine Verknappung geht. Natürlich will ich nicht in vor-Internet-Zeiten zurück. Ich liebe das Internet mit seinem Sofortzugriff auf das Wissen der Welt.

Aber alles haben können und nichts dafür zahlen... das finde ich auf Dauer weder realistisch. Irgendwo ist da ein Pferdefuß. Und die Musikindustrie zeigt, wie sich die "alles kostenlos"-Welt auch langsam wandelt zu einer "Qualität ist mir was wert"-Welt.

Noch finde ich es aus Konsumentenseite produktiv. Ja, ich glaube an eine gute, regelnde Eigenschaft von Geld. Geld ist ein Mittel zum Haushalten.

Nun mag man das als Krücke ansehen. Der wohlgebildete Mensch sollte doch so eine Krücke nicht brauchen. Der ist medienkompetent und auch vorsorgend in der Gesundheit und allemal nachhaltig in seinen Handlungen der Natur gegenüber und sowieso produziert er nur evolvierbaren und korrekten Code.

Allein, die Welt ist nicht so. Menschen gehen mit Stöcken auf Berge, weil das einfacher ist. Und ich glaube, Menschen brauchen ein fühlbares Budget, um ihre Ressourcen zu allozieren. Zumindest die gestrige und heutige Generation; ein "zukünftiger Mensch" vielleicht nicht mehr. Vielleicht können die Digital Natives ganz wunderbar effektiv und effizient im Überfluss baden, ohne zu zahlen. (Einstweilen bezweifle ich das allerdings, wenn ich mir den Ausbildungsstand und das Verhalten im Unterricht der DNAs anschaue und vom Zunehmen der Plagiate lesen.)

Nein, früher war nicht alles besser. Nein, ich hab auch keinen Masterplan in der Tasche.

Aber mein Gefühl ist, dass "alles kostenlos" auch nur eine Wegstation ist und nicht das Ziel. "Alles kostenlos" ist eine extreme Position. Das allein macht sie mir schon suspekt.

Und nach Gedanken über die Probleme mit kostenloser Produktion wollte ich in meinem Posting einfach mal Gedanken zu Problemen mit kostenloser Konsumption äußern. Meine ganz persönliche Empfindung war und ist, dass mir ein begrenztes Budget in der Vergangenheit nicht nur geschadet hat.

Auch als Konsumenten sollten wir den Gedanken zulassen, dass kostenpflichtige Angebote womöglich nützlich sein könnten. Nicht nur, weil dann deren Qualität vielleicht tendenziell höher wäre. Das ist ja ein altes Argument. Nein, weil unsere Aufmerksamkeit dann eine andere wäre. Unsere Rezipientenqualität würde damit steigen. Wir würden uns auf Inhalte wieder mehr einlassen.

Dazu fällt mir Lichtenberg ein: "Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das dann allemal im Buche?"

Als Konsumten haben wir zurecht Ansprüche an die Inhalte. Doch wie in jeder Beziehung sollte man auch den anderen Blickwinkel einnehmen. Auch die Inhalte/Produzenten dürfen einen Anspruch an die Konsumenten haben.

-Ralf

Anonym hat gesagt…

Der Zusammenhang scheint auf den ersten Blick plausibel, ist er aber nicht. Ich kaufte Bücher las sie aber nicht zu Ende, ich kaufte CDs hörte sie aber nur einmal, ich habe einige Spiele welche im Regal liegen und zu selten benutzt werden. Ich habe für alle diese Dinge bezahlt. Das eine oder andere Buch war im Rückblick vom Inhalt nicht ergiebig. Am Ende hatte ich aber einfach nicht genügend Zeit für die verschiedensten Dinge, um sie tiefgründig zu verarbeiten. Einige Dinge schaffen es die Aufmerksamkeit zu binden, andere nicht. Das liegt aber sicher nicht am Geld was dafür ausgegeben wurde. Es gibt genügend freie Inhalte im Internet die wesentlich bessere Inhalte bereitstellen. Also ein klares Veto zu diesem Beitrag.

HJPhilippi hat gesagt…

Hallo Ralf,

die Länge Deiner eigenen Kommentare zeigt, dass man auch zu diesem Thema wieder endlos referieren könnte. Ich versuche es kurz zu machen und picke einige Aspekte aus meiner Sicht heraus:

1. Sich im Meer des Information Overkill die Delikatessen zu angeln und zweckmäßiges Zeitmanagement zu betreiben, ist IMHO eine reine Sache der Selbstdisziplin, die man auch ohne Geld zustande bringen kann. Ich weiß z.B., dass ich bei codeproject.com kostenlos viele gute Beispiele zu C# Programmierfragen finde und suche oft gezielt dort, weil ich eben über Google zu viel Schrott finde, der mich nicht weiter bringt. Gute codeproject Artikel werden gebookmarked und dann gelesen, wenn ich mal etwas Zeit übrig habe resp. in des Thema eintauchen will.

2. In der Mathematik sagt man, etwas ist ein hinreichendes aber nicht notwendiges Kriterium: Manchmal kostet Qualität Geld (z.B. die O'Reilly Safari Library, die ich nutze) aber die Gegenrichtung muss nicht stimmen, d.h. nicht alles Bezahlte hat Qualität - siehe diese ganzen Abofallen Betrüger. Ich halte es also für riskant, sich über die "Geldkrücke" ein Hilfsmittel für den eigenen Fokus schaffen zu wollen. Am Ende zahlst Du Geld, tauchst geduldig tief ein und stellst dann fest, dass vieles doch wieder nur heiße Luft war.

3. Die Verallgemeinerung, dass das Web auf Dauer nicht komplett kostenlos bleiben kann, scheint naheliegend - stimmt aber in meinen Augen nicht. Das Gros der Kunden/Surfer sind Billigheimer mit niedrigem Qualitätsanspruch, die sich jeden noch so mit Werbung zugeballerten Schrott vorsetzen lassen resp. konsumieren - Hauptsache, es kostet nix. Das Privatfernsehen macht's vor! Die Clientel mit höherem Qualitätsanspruch *und* Zahlungsbereitschaft ist in der deutlichen Minderheit und wird es IMHO bleiben, und die Nachfrage regelt das Angebot.

4. Vielleicht mein wichtigstes Argument: Die Ressource Zeit ist kostbar und begrenzt? Die Ressource Geld ist es auch! :-) Wenn ich etwas im Web for free bekomme (etwa die schon genannte MSDN), warum sollte ich dafür zahlen außer vielleicht unter altruistischen Gesichtspunkten? Das wäre privat-ökonomischer Blödsinn. Das Geld gebe ich doch lieber für andere Dinge aus, die nicht gratis sind wie z.B. der Familienbesuch im Tierpark. Da habe ich mehr von!

In diesem Sinne: Ich finde die Situation so, wie sie ist, gar nicht so schlecht. Es ist nicht einfach, sich zu fokussieren, das sehe ich selbst jeden Tag. Aber es ist möglich.

Gruß,
Hansi

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Hansi: Natürlich hast du Recht. Selbstdisziplin ist nötig. Deshalb führen wir ja auch Umweltzertifikate ein. Oder? Nein, die werden eingeführt, weil es mit der Selbstdisziplin eben so schwierig ist.

Oder wie ists mit der Praxisgebühr? Ein bisschen Selbstdisziplin, nicht bei jedem Zipperlein zum Arzt gehen. Dann wäre sie nicht nötig. Aber es fällt so schwer, die knappe Ressource Arzt nicht zu benutzen. Also zahlen und freundlich sein.

Natürlich könnte die Welt mit mehr Selbstdiziplin besser funktionieren. Doch warum ein Werkzeug ausschlagen, das es einfacher macht, seine Ressourcen zu nutzen?

Und dann "Angebot und Nachfrage". Achja... die Regeln ne Menge. Auch schön. Vor allem z.B. den Lohn für Bauarbeiter und Entwickler. Beim nächsten Projekt, wenn wieder jemand mit günstigeren Löhnen durch Mitarbeiter in fernen östlichen Ländern den Zuschlag bekommt, denk daran. Nicht traurig sein, sondern den anderen ihren Sieg dank "Angebot und Nachfrage" gönnen ;-)

Du siehst, bei aller Freude über die Marktwirtschaft, mit der ich gut zurecht komme, sehe ich es nicht so simpel, dass immer und überall schon alles gut wird, nur weil Angebot und Nachfrage "es schon regeln werden".

Am Ende können wir es natürlich aber auch nicht ändern. In der Marktwirtschaft ist es halt so. Jedenfalls können wir es nicht direkt ändern. Aber z.B. mit meinem Blogposting kann ich einen Impuls geben, der manche Menschen zu einer Nachfrageänderung veranlassen könnte. Insofern: Nur weil Angebot und Nachfrage "es" schon regeln, heißt das nicht, dass die Richtung unumkehr bar ist. D.h. ist bin optimistisch, dass "die Verhältnisse" sich auch wieder ändern werden. Das Internet ist jung, babyhaft geradezu. Da tut sich noch einiges in den nächsten 20-100 Jahren ;-)

Natürlich ist mein Geld begrenzt. Das ist ja auch gut so. Deshalb taugt es ja zur Ressourcenallokation. Wenn du dann lieber in den Freizeitpark gehst, dann hast du weniger Zeit für Entwicklerinhalte. Aber wenn du einen neuen Monitor kaufst, dann bleibt deine Zeit gleich. Was also tun mit dem Geld? Ich meine - und nur darum geht es mir ja hier - dass es dann eben auch gut eingesetzt ist, um dich zu fokussieren indem du für Inhalte bezahlst.

Dass die Bezahlmodelle da noch kreativer werden können, ist klar. Auch garantiert Kostenpflichtigkeit keine Qualität. Ich meine es eben ganz grundsätzlich: Wer nur "Geiz ist geil!" denkt, tut sich selbst keinen Gefallen, weil er die Chance auf Hilfe durch das Geld übersieht.

Aber vielleicht bin ich auch nur total altmodisch und/oder undiszipliniert. Kann sein. Keine Ahnung.

-Ralf

HJPhilippi hat gesagt…

@Ralf: Ist zwar wieder eine ganz andere Baustelle aber zur freien Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage möchte ich noch anmerken, dass ich kein ausgemachter Freund dieser Mechanismen bin - Ausbeutung, Globalisierung, Wohlstands-Schere oder die absurden Auswüchse am Aktienmarkt etc. sind nicht weg zu diskutieren und ich leiste (abseits der IT) meinen Beitrag, dem entgegen zu wirken.
Trotzdem stellt sich jedem die Frage, wie man mit dem Ist-Zustand umgeht. Das "Angebot und Nachfrage"-Prinzip begegnet uns täglich, ob wir wollen oder nicht. Ich gebe schon eine Menge Geld für IT & Job aus und bin froh über die Euros, die ich in dem Umfeld sparen kann. Wo es gute Sachen for free gibt, nehme ich das dankbar an. Es gibt einfach zu viele andere Töpfe (Familie, Hobbies, Altersvorsorge usw.) die bedient werden wollen.

Wenn man sich dem gegenüber öffentlich in einem Blog die Frage stellt, ob man die eigene Konzentration und Fokussierung auf ein Thema durch (quasi freiwillige) Bezahlung erkaufen sollte, ist das schon ziemlich elitär und zeugt von erheblichem Wohlstand. Denn es ist nunmal eine Tatsache, dass es sehr guten Content auch ohne Bezahlung gibt.
Oder in anderen Worten: viele Menschen auf der Welt wären dankbar, Bücher geschenkt zu bekommen und würden sich mit Feuereifer darauf stürzen. Wir hingegen diskutieren, ob man die Schenkung ausschlagen und freiwillig Geld für Wissen bezahlen sollte - nicht aus Gutmensch-Ambitionen sondern wegen mangelnder Selbstdisziplin... Das ist schon bemerkenswert.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@Hans: Wenn du denn die Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage kritisch siehst und etwas dagegen tust, warum dann ein reines Loblieb auf das kostenlose Web? Denn das ist kostenlos, weil es dort sowenig Halten gibt wie bei der Marktwirtschaft. Das Internet ist "zügellos" (das meine ich zunächst mal nur beschreibend und nicht wertend) und so hat sich dort der Preis für unsere Inhalte und viele andere auch entwickelt. In Ermangelung irgendeines anderen Wertes ist er bei Null angekommen für das Allermeiste. Eine Entwicklung, die aufgrund der Immaterialität nur schneller lief als in der realen Welt, wo sie ohne weiteres Eingreifen auch bei im Überfluss vorhandenen Angeboten so verläuft, z.B. bei Tagelöhnerdienstleistungen.

Aber nochmal: mir ging es ja gar nicht um die kostenlosen Angebote. Mir geht es um die Nachfrage nach Kostenlosem.

Und ist es da elitär, wenn ich mir mehr Kosten wünsche zur Hilfe bei der Lenkung der Ressourcennutzung? Natürlich ist es das insofern, als dass ich im Überfluss lebe. Das war ja mein Ausgangspunkt.

Gönne ich deshalb dem, der weniger hat nicht, dass er im Internet soviel umsonst findet? Doch, klar. Mir selbst gönne ich das ja auch. Und ich behaupte auch nicht, dass für alles sofort und nur bezahlt werden sollte. Ich will ja keine offline Verhältnisse im Internet.

Aber ich wünsche mir, dass das Internet (aus mehreren Gründen) eine Differenzierung erlebt. Da ist viel denkbar, das auch nicht das sprichwörtliche arme Arbeiterkind außen vor lässt. (Bemerkenswert ist allerdings, dass die schon lange für diese Kinder existierenden Angebote gar nicht so sehr von diesen Kindern in Anspruch genommen werden. Kinder lesen, wo die Eltern schon lesen, nicht wo die Leseinhalte kostenlos sind.)

Dem armen Arbeiterkind ist übrigens - so meine Vermutung - gar nicht so sehr mit dem kostenlosen Internet gedient. Gerade weil seine Eltern arm sind, wird es von ihnen weniger Medienkompetenz mitbekommen. (Das mag sich wie ein Stammtischvorurteil anhören, aber ich habe zumindest länger drüber nachgedacht und kenne natürlich auch Ausnahmen. Der ehemalige Bundeskanzler ist eine ;-) Mit wenig Medienkompetenz ist es aber noch viel mehr der Flut des Internets ausgeliefert.

Das Internet ist nicht nur kostenlos, sondern auch noch ohne Hierarchie. Damit ist es im Grunde sogar ein Rückschritt. Denn Hierarchien sind nicht per se böse, sondern nützlich. Aggregierende/filternde Hierarchien gab es offline. Herausgebildet in vielen Jahrzehnten. Nicht alle gut. Klar. Aber die Richtung stimmt. Auch im Körper ist nicht jede Zelle allen Reizen ausgesetzt. Es gibt eine Hierarchie der Verarbeitung.

Und nun soll das arme Arbeiterkind selbst die komplette Filterung des Internet für sich vornehmen? Mit Verlaub, das halte ich nicht nur für eine Sozialutopie, sondern auch schlicht für unmöglich aus psychologischer Sicht.

Mein Beitrag für die armen Arbeiterkinder aus meiner elitären Position heraus ist übrigens, dass ich Inhalte, für die ich bezahlt habe, um mir bei der Fokussierung zu helfen, kostenlos abgebe. Die genannten Zeitschrifte spende ich meinem Lieblingscafé um die Ecke, auf dass sie dort andere nützen mögen. Ebenso tue ich es mit meinen Büchern. Neulich habe ich wieder 150 oder so einem armen Antiquariat gespendet bei dem armen Menschen für wenig Geld Bücher erstehen können.

-Ralf

frank jurisch hat gesagt…

was hab ich getan, aus dem bauch einen glaubenskrieg angezettelt. so schlecht fokussierter inhalt. aber kostenloser ;-)

@ralf, ich müßte dich wohl doch bezahlen, wenn ich deine anregenden diskussionen nicht missen mag. MICROpayment meinst du doch oder ????

trotzdem kann ich mir keine mittlere variante vorstellen zwischen dem was jetzt ist: kosten für die zugegebenermaßen eben durch diese kosten disziplinierte lektüre von 3 namhaften deutschen(d.n.pro,d.n.mag,objektspektrum) periodika und freien zugriff auf
vieles was mir weiterhilft gefiltert durch erfahrung und gebrauch(zb. keine abos mit rss oder so ich(!) schaue nach) und offen für neue quellen, gerne von dir (was dann kostenpflichtig auch mal schief gehen kann, aber allein meine schuld: ich hatte nicht geprüft ob "modellierung" gerade auf mich zutrifft oder mich gar intelell überfordert).

die mir tatsächlicht nicht bekannten anderswo besser bezahlten verborgenen wirkenden tauchen dann wo so auf dass ich sie alleine wegen der kostenpflicht unter den mittreibenden quallen als tolle hechte bemerke ? wahrscheinlich würde es sich rumsprechen, zb.
bei dir.
also eine forderung an die produzenten, einige der geheimnisse die in firmenseminaren preisgegeben werden und dann nicht
mehr so geheim und teuer sind für kleinere münze abrufbar zu stellen.
es gibt eine kostenpflichtige SOLID-serie die so tut als enthalte sie information für leute die sie nötig hätten(ich glaube nicht dass die das dann wirklich verstehen) - ich würde das geld zurückfordern wegen vortäuschung von information -aber reingefallen,selber schuld.
bei den aktuellen und über die jahre relativ konstanten absatzzahlen meiner kostenpflichtigen lektüre frag ich mich aber schon eine
weile ob ich nicht einer der wenigen dummköpfe bin der auf so was reinfällt. weil wenn es nur um die 10tausend sind einschließlich
der ungelesenen exemplare was ist das für eine empfehlung. da freu ich mich ja auf weitere finanz-disziplin-lese-alles-bezahltes-stresstests... ich lese sie zu
einem gutteil eben um auch auf sachen gestoßen zu werden die ich GERADE noch als preiswerte rettung aus dem was-ich-sowieso-nur-
brauche registrieren kann (abschwächnung meiner position oben).
wenn es bezahlbare angebote gibt die ich wirklich als erhellend erlebe kann ich so was probieren. ich kann es nicht fordern nur um
mich zu disziplinieren. die argumentation der mensch ist nicht so betrifft nicht die hier lesenden und die die wirklich nicht so
sind lernen nicht durch den preis auf qualität zu setzen.
wer von den guten unsichtbaren leuten macht den anfang und stellt sich der zahlungsunwilligen geizgesellschaft ?

meine kinder hatten (von ihnen) unbezahlte märchenkassetten die menge. nachdem ich 2/3 aus dem unbenutzten berg entfernte hatten
sie kein problem: sie hatten sich ihre kostbare zeit auf die wirklich guten, spannenden was weiß ich was die dachten eingeteilt
(ich teilte ihre wahl und schwöre!!! keinen einfluß genommen zu haben, sie konnten nachforderungen aus dem aussonderungsstapel
erheben). sie waren sich des preises nicht wirklich bewußt: das kostbarste bleibt die zeit die man für etwas hat. es geht nicht
alles auch wenns nichts kostet.
was bin ich jetzt müde und das kostenlose internetz ist so voll ... auch schlafenszeit ist teuer.
das hat mich jetzt fast einen abend gekostet und es war noch nur der halbe bauch und wenn ich damit das wort weihnachtsgeld in euro
übersetzen könnte könnts was kosten. aber es hat passs gemacht es kost ja nix euch zu nerven.

@ralf:der ironische ton ist dem thema geschuldet und nicht deiner position.

Ralf Westphal - One Man Think Tank hat gesagt…

@frank: Ich freu mich, dass ich dich zu solchen ironischen Eskapaden anregen konnte. Da hast du dich aber ordentlich fokussiert ;-) Und ganz umsonst. Wenn auch hoffentlich nicht vergebens. Denn beim Schreiben stehen die Chancen gut, dass man was lernt. Über sich. Über die Welt. Einstweilen würde ich eine Hinweis darauf deinerseits als immateriellen Lohn meiner Mühe nehmen. Auch nur ein Entwickler zum Denken angeregt... was will ich mehr? ;-)

Und du hast mich angeregt. Denn mir ist noch ein Gedanke gekommen. Mein Punkt war ja, dass Kosten fokussieren helfen. Dazu ist mir der Begriff Reflexion eingefallen: Wo ich Geld ausgeben muss reflektiere ich über meine Werte. Was ist mir was wert? Wieviel ist mir was wert? Das kommt noch vor dem Fokus.

Spürbare Geldausgabe lässt uns also innehalten und darüber sinnen, was uns wichtig ist. Ja, ich glaube, solches Innehalten passiert eher, wenn es ums Geld geht. Diese Fragen könnten wir uns natürlich auch bei unserer Zeit stellen, die ultimativ knapp ist. Aber irgendwie stellen wir sie uns, wie es mir scheint, eher beim lieben Geld.

Ganz verwunderlich ist das ja auch nicht, wenn in der wirtschaftswelt letztlich alles Geld ist, auch Zeit.

Reflexion, sich über sich selbst klar werden, halte ich für sehr wichtig. Wenn uns dabei Geld hilft, warum nicht?

(Wer das als Krücke ansieht, mag ja Recht haben. Aber wir haben soviele Krücken in unserem Leben, da kommt es auf eine mehr auch nicht an.)

-Ralf

HJPhilippi hat gesagt…

Zitat: "Wenn du denn die Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage kritisch siehst und etwas dagegen tust, warum dann ein reines Loblieb auf das kostenlose Web"?
Tue ich das? Nein, tue ich nicht und finde auch keine dazu passende Aussage in meinen Posts. Warum immer nur solche Schwarz-Weiß-Malerei?

Ich sage nur, dass sich die real vorhandene Mischung kostenloser und kostenpflichtiger Angebote aus nachvollziehbaren Automatismen der Marktwirtschaft ergibt und das es Teil der persönlichen (Medien)Kompetenz ist, sich nach eigenem Ermessen richtig zu verhalten. Richtig in dem Sinne, was jeder für sich selbst für richtig hält. Und dazu gehört für mich nunmal, dass ich lieber Gratisinhalte nehme und EUR 150,- für gemeinnützige Zwecke spende als sie als "Konzentrationshilfe" auszugeben. That's all.

Übrigens gibt es immer wieder Aussagen (auch von Dir), dass das Web eine Plattform des Gebens und Nehmens ist resp. sein sollte. Völlig richtig, nur greift das IMHO zu kurz, wenn es sich auf Zyklen innerhalb des Webs beschränkt und das Web nicht als Teil der Welt verstanden wird (das es längst ist).
Wenn ich z.B. -wie oben geschildert- für IT-Wissen kein Geld ausgeben muss und es lieber für UNICEF spende, ist das auch Geben und Nehmen, nur halt in einem größeren Kontext.

Frank Jurisch hat gesagt…

ehe ich deinen neuen für mich sehr preiswerten denkanstoß lese die zufriedene bestätigung meiner vermutung: eine melancholische verwirrung. du bleibst preiswert und produktiv. wer so viel ausspukt darf beim bad auch mal nichts dazulernen müssen. vielleicht war das alles ganz toll und du nur erschöpft genug dich nicht auch darauf noch einlassen zu müssen. Ich beneide deine produktivität !

Patrick hat gesagt…

sehr interessant in diesem Zusammenhang auch das Buch 'Free' von Chris Anderson. Dort u.a. Kapitel 5. Es wird ganz genau dieses Phänomen beschrieben, dass man sich auf etwas ganz anders einstellt, wenn man dafür bezahlen muss.

http://www.amazon.de/gp/product/1401322905?ie=UTF8&tag=shopp4every-21

Oder hier als (leicht gekürzte) Hörbuchversion direkt beim Verlag:

http://hyperionbooks.com/free/

Patrick hat gesagt…

ach ja, vergessen: das Hörbuch das ich oben erwähne ist kostenlos.. Free

Matthias Bohlen hat gesagt…

Das Ganze ist ein kultureller Trend. Immer kleinere Häppchen mit immer weniger Tiefgang für immer weniger Geld. Das kann nur schiefgehen.

Man sehe sich das Fernsehen an: "Und ist der Journalist auch noch so fleißig, es bleibt bei Einsdreißig" ist ein jahrzehntealter Spruch. Heute kann man locker sagen "es bleibt bei NullFünfzehn".

Nick Bilton schreibt gerade an einem Buch über diesen Trend - es wird "Byte, Snack, Meal" heißen und in 2010 herauskommen: http://www.bytesnackmeal.com/